Am 21. März 2026 lese ich zusammen mit Heinz-Dirk Luckhardt in „Grobes Versteck“ in Saarbrücken-Dudweiler. Der Eintritt ist frei, Getränke gibt es gegen Spende, eine kleine Premiere gibt es auch. Und weil mir gerade danach ist, will ich auch ein paar Gedanken über Kunst und Kapitalismus loswerden.
Funkstille
Asche auf mein Haupt, denn viel zu lange gab es nichts Neues mehr auf diesem Blog zu lesen. Vermutlich wird es exakt niemanden überraschen, wenn ich sage, dass es dafür jede Menge Gründe gibt. Gründe, die auch dafür verantwortlich sind, dass wenig bis gar nicht passiert ist, über das es sich auf diesem Blog zu berichten lohnen würde. Aber das ist ein ganz anderes Thema, über das vielleicht irgendwann einmal schreiben werde. Denn zunächst gibt eine Lesung anzukündigen! Zuerst schnell ein paar Fakten, dann etwas mehr Hintergründe für die, die es interessiert:
Die Lesung–nur die Fakten

Was?
- Verstörende und betörende Phantasien eines Reisenden: Bilder und Texte von Heinz-Dirk Luckhard. Dirk ist Photograph und schreibt–eine wunderbare Verbindung
- Phantastische Geschichten von und mit Carsten Schmitt:
Es wird eine neuere (das heißt unveröffentlichte) Geschichten aus dem TOTENSCHEIN-Programm von 2024 geben, sowie eine kleine Überraschung: Eine ganz und gar ungruselige Story, die an diesem Abend ihre Premiere haben wird, da sie bisher weder publiziert noch vorgetragen wurde.
Wann?
Samstag, 21. März 2026. Einlass ab 18 Uhr.
Wo?
„Grobes Versteck No. 7“, Sulzbachtalstr. 135, 66125 Dudweiler
Was kostet das?
Der Eintritt ist frei; Getränke gibt’s gegen Spende. Die Plätze sind begrenzt aber vermutlich ausreichend, kommt einfach vorbei, bringt Freunde mit und habt Spaß!
Grobes Versteck?
Ich gestehe, da musste ich mich auch erstmal schlaumachen. Am einfachsten verweise ich auf einen (frei zugänglichen) Beitrag der Saarbrücker Zeitung.
Hier eine kurze Zusammenfassung: Wolfgang Grobe führte seit den 1970er Jahren in Dudweiler nacheinander mehrere Kneipen, in denen die Kleinkunst ganz großgeschrieben wurde. Persönlich am meisten beeindruckt hat mich die Tatsache, dass die irische Band Clannad dort mal gespielt hat. (Ich würde mich nicht als Clannad-„Fan“ bezeichnen, aber ihre Musik zu einer meiner liebsten Kindheitserinnerungen finde ich heute noch große Klasse.)
Wolfgang Grobe ist vor ein paar Jahren verstorben, doch seine Witwe, Ilse Grobe, betreibt unter dem alten Namen eine Lokalität, die ich als eine Art „öffentliches Wohnzimmer“ bezeichnen würde, in dem lokale Künstler auftreten und ausstellen. Formlos, unter dem Radar, und kostenlos. Noch gibt es für „Grobes Versteck“ kein festes Konzept, es wirkt eher wie ein andauerndes Experiment–und das finde ich äußerst charmant.
Alte Bekannte
Wie kam es überhaupt zu dieser Lesung? Vor ein paar Monaten kontaktierte mich ein alter Bekannter, Dirk Luckhardt und fragte, ob ich mir vorstellen könne, mit ihm zusammen eine Lesung in Saarbrücken-Dudweiler zu bestreiten. Ich lernte Dirk in den späten 1990er Jahren noch als „Herrn Dr. Luckhardt“ an der Uni Saarbrücken kennen, wo ich unter seinen gestrengen Augen Referate in Proseminaren über Themen in der Informationswissenschaft halten durfte. Niemals hätte ich damals gedacht, 30 Jahre später mit ihm zusammen einmal einen Lesungs-Abend zu gestalten. Verrückt, wie das Leben manchmal so spielt. Ich bin jedenfalls sehr gespannt.
Kunst und Kommerz, oder, warum ist das kostenlos?
Eigentlich beantworte ich Lesungsanfragen ohne Honorar nicht. Warum nicht?, könnte man fragen, schließlich muss ich nicht vom Schreiben leben. Der Grund ist, dass Autoren leider viel zu oft gefragt werden, ob sie denn irgendwo lesen könnten (oder eine Geschichte zu einer Anthologie beisteuern könnten), aber natürlich bitte umsonst. Ist doch schließlich Werbung, oder es ist für einen guten Zweck. Komischerweise sind es aber immer die Künstler, die auf eine Gage verzichten sollen, während die Buchhandlungen Bücher und die Wirte Getränke verkaufen und die Layouter und Verleger am Ende auch ihr Geld bekommen. Diejenigen, die Kunst erschaffen aber sind es am Ende, die in unserem Wirtschafts- und Kulturbetrieb am wenigsten dafür bekommen.
Beispiel gefällig? Ich habe mal in einem Café eine Lesung mitorganisiert, wo während der Veranstaltung fleißig Getränke ausgeschenkt wurden, die lesenden Autor*innen aber nicht einmal ein Glas Wasser bekamen. Als ich nach meiner Lesung zum Tresen ging, um mir ein Bier zu holen, wurde es mir mit einem freundlichen „Das macht dann zwei Euro achtzig“ serviert. Keine weiteren Fragen, Euer Ehren.
Vor zwei Jahren haben Tanja Karmann und ich eine TOTENSCHEIN-Lesung auf dem Alten Friedhof von Saarbrücken veranstaltet. Der Eintritt war frei, stattdessen gab es eine „Hutspende“. Ein paar Snacks und Getränke wurden gestiftet, wer wollte, durfte sich auch was mitbringen. Das war eine schöne Veranstaltung, die wir nicht bereuen, aber als wir den Betrag in der Kasse am Ende mal auf die Anzahl der Teilnehmer hochrechneten, stellte sich die Spendenbereitschaft als ehrlich gesagt ziemlich mau heraus.
Man mag es beklagen, dass in unserer Gesellschaft „Wert“ mit „Preis“ gleichgesetzt wird. Aber solange das so ist, sollten auch Kunst und Kultur etwas kosten. Denn sonst kriegen wir irgendwann alle nur noch AI Slop zu fressen. Dazu stehe ich.
Und dennoch…
Alternativen schaffen!
Dennoch ärgert es mich, dass Kunst und Kultur immer mehr zu Handelswaren degradiert werden. Das ist doch schon lange so, mag man sagen, und damit nicht falsch liegen. Künstlich erzeugte Kulturfastfood-Produkte werden vermutlich den Markt überschwemmen und menschliche Originalität ersticken. Eine Einzelperson wie ich wird daran nichts ändern können.
Schon jetzt ist es um die „freie Szene“ in Saarbrücken, meiner Heimatstadt, nicht gut bestellt. Sie kämpft um Aufmerksamkeit, die die Medien ihr nicht geben, um Fördergelder, die man bislang lieber in zwei im Abstand weniger Wochen nacheinander stattfindenden Fressbuden-Feste steckte, obwohl eines davon sicher reichen würde.
Daher finde ich es wichtig und schön, dass es Initiativen wie die von Ilse Grobe gibt. Einen Ort in der Nachbarschaft, wo echte Menschen zusammenkommen, um handgemachte Musik, Literatur und Kunst zu genießen. Unabhängig davon, ob das Geld gerade ein bisschen knapp ist.
Auch wenn ich dazu stehe, was ich oben geschrieben habe, so finde ich, dass es solche Angebote geben muss. Wenn sich mit Kunst, die noch mit Herzblut gemacht wurde, sowieso immer weniger Geld verdienen lässt, sollten wir uns Räume erhalten, in denen Kunst noch einen Wert hat, den man ihr nicht nehmen kann–den für unsere Menschlichkeit.
Heinz-Dirk Luckhardt
Ich habe mich schon selbst verflucht, weil ich den Titel „Verstörendes und Betörendes“ gewählt habe. Zu reißerisch! Wenn die Zuhörerschaft nun langweilig findet, was mich verstört?!
CS
Ach was, ein bisschen mit den Scheren klappern gehört zum Geschäft! Und die Gefahr, dass es am Ende nicht so gut ankommt, gibt es immer. Aber das wird schon. Ist schließlich „live“, das muss nicht perfekt sein. 🙂